(c) Clara Diemling

Die Sprache des Wassers /// Erzähltheater nach einem Roman von Sarah Crossan /// Theater Akzent /// Ensemble Imp:Art /// 12+ /// Timon Mikocki 

Die zwölfjährige Kasienka kommt zusammen mit ihrer Mutter von Polen nach Coventry, um den lange zuvor nach England ausgewanderten Vater zu suchen. Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt unter widrigen Vorzeichen. Kasienka kann wenig Englisch, sie lebt in ärmlichen Verhältnissen und wird von Klassenkolleginnen gemobbt. Die Peinlichkeiten der Pubertät setzen ihr zu. Erst durch die sich anbahnende Liebesfreude mit dem Engländer William, den sie im Schwimmbad kennenlernt, und die Aufnahme ins Schwimmteam ihrer Uni stellen sich Glücksmomente ein. Als sie ihren „Tata“ schließlich ausfindig macht, kommt alles anders als erträumt, aber die Geschichte findet ein versöhnliches Ende. Über die Sprache des Wassers findet Kasienka zu eigenständigem Glück, wird zugleich „verschlungen und erneuert“.

Regisseurin Michaela Obertscheider hat für das Theater Akzent eine starke, melancholische Integrationsgeschichte inszeniert, die vor allem durch versiertes Schauspiel begeistert. Der Vorzug des Stücks liegt in der Darstellungsform der lyrischen Romanvorlage von Sarah Crossan. Zwei SchauspielerInnen reichen, um lebensnahe Szenen und viele schwere Themen frisch auf die Bühne zu bringen. Katharina Gerlich vereint spielerisch das „showing and telling“, indem sie zwischen der Perspektive der Erzählerin, einigen Rückblenden und der gegenwärtigen Rolle der Protagonistin wechselt. Gerlichs Darbietung ist empathisch und ehrlich. Ihr Partner Klemens Dellacher spielt ihr währenddessen ein Dutzend andere Rollen zu, je nachdem, welche die Situation gerade erfordert. Er ist in überraschender Wandelfähigkeit gleichzeitig Vater, Boyfriend, Tussi, afrikanischer Einwanderer und Mutter. Klingt schwierig, funktioniert aber auf der Bühne beeindruckend gut. Denn Dellacher hat für jede Figur eine charakteristische Stimme, Sprache und Bewegung gefunden. Und das Duo ist harmonisch aufeinander abgestimmt, Timing und Energie passen. Schnittiger Szenenhumor, schöne Musik des Ersten Wiener Heimukuleleorchesters und rührende, abstrakte Tanz- und Kampfchoreografien fügen dem ohnehin schon vereinnahmenden Text noch Wirkung hinzu. Fazit: Eine vollends gelungene Bearbeitung, die die emotionale Lebensrealität einer Einwanderin im Teenageralter in atmosphärischen Bildern vermittelt.

Inszenierung: Michaela Obertscheider; mit Katharina Gerlich und Klemens Dellacher