"Rauchpause" (C) Theresa Pewal

„Rauchpause“ (C) Theresa Pewal

Rauchpause /// schallundrauch agency /// Dschungel Wien /// 12+ /// Timon Mikocki

Begleitet vom klassischen Klang des Blumenduetts aus „Lakmé“ (dem jungen Publikum besser bekannt aus der Darbo-Werbung) schaffen drei SchauspielerInnen allerlei Geraffel auf die Bühne und stürzen dabei immer wieder kraftlos zu Boden – ein performativer Vorgeschmack auf das Thema. Sie stellen sich und ihre liebsten Dinge vor: Gabriele liebt das Meer, Marco mag Gulasch und Elina aus Finnland will nach Sri Lanka. Ein leichtfüßiger Einstieg in ein schwieriges Thema: Um Süchte, ums Rauchen und Saufen, eingeübte Gewohnheiten und deren soziale Implikationen geht es im neuen Stück von schallundrauch. Die agency bleibt ihrem experimentierfreudigen Zugang auch diesmal treu.

Gabriele möchte die Uraufführung dazu nutzen, live mit dem Rauchen aufzuhören. Dafür richtet sie einen lustigen Abschiedsbrief an die letzte Zigarette, danach intoniert sie „Hit the Road, Tschik!“. Weil das neue Bühnengesetz verbietet, Drogen auf der Bühne zu zeigen, behilft man sich anderer Mittel: Am „Suchtaltar“ stehen Kaugummitschik, an anderer Stelle wird ausgerechnet eine Banane zum gefährlichen Objekt der Sucht. Absurd und ironisch verhandelt das Dreiergespann sein Thema, ohne durch zu viel Distanz die Anhaftung zu verlieren. Marcos Tanz mit sich selbst und Elinas zum Teil selbst komponierte Musikstücke durchspielen die verschiedenen Suchtverhalten auf sehr zugängliche Weise. Sucht, so lernt man, kommt von siechen, und auch die Sehnsucht hat damit was zu tun. Wunderbar direkt ist die Szene, in der eine Art Gebärdensprache die Nervigkeit von Elternfragen auf die Spitze treibt. Eine andere behandelt die Schwierigkeit von Entscheidungen bei Überangebot, oder die philosophische Erkenntnis, dass „ich viel mehr nicht bin, als ich bin“.

Wappel ist eine Meisterin im Finden von leichten Metaphern für Problemthemen. Die Regisseurin hat in diese 55 Minuten fast zu viele Ansätze reingepackt und so wirkt das Stück wie eine gereiftes Brainstorming: Die Suchbewegung der Proben ist noch deutlich erkennbar. Obwohl die einzelnen Abschnitte unterschiedlich, die Themen nur lose eingegrenzt sind, obwohl kein offensichtlicher dramaturgischer Bogen existiert, folgt man den persönlichen Spielen aber aufmerksam. Es muss nicht immer tragisch sein, wenn über Süchte gesprochen wird: Lust und Flexibilität gewinnen über Pädagogik und den erhobenen Zeigefinger. Das Reden selbst ist das Wichtige. Der Zugang ist deshalb gelungen, weil der „Selbstversuch“ sehr subjektiv erfolgt und dennoch allen Anknüpfungspunkte bietet. Auch den 13- und 14-Jährigen im Publikum, für die die besprochenen Süchte hoffentlich noch nicht lebensbestimmend sind.

Konzept, Regie: Gabriele WappelCo-Regie: Janina Sollmann; Performance, Stückentwicklung: Elina Lautamäki, Marco Payer, Gabriele WappelTechnische Leitung, Bühne, Licht: Silvia AuerKostüm: Anna PanzenbergerCoaching, Dramaturgie: Frans PoelstraMusikalischer Coach: Sebastian RadonRegieassistenz, musikalische Beratung: Sara WilnauerBeratende Expertin (Psychologie): Agnes BlumenscheinWorkshops: Martin WaxPresse, PR, Produktion: Jasmin Strauß-AignerBühnenaufbau: Momo Maresch