So. Apr 14th, 2024
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nach Johanna Spyri | Kabarett Niedermair | 4+ | Lisa Müller

Agnes Hausmanns Inszenierung des bekannten Kinderklassikers „Heidi“ überrascht mit komödiantischen Facetten. Laut singend platzen Klemens Dellacher, Clara Diemling und J-D Schwarzmann in den Saal und begeistern mit schlagfertigen Dialogen von Markus Steinwender. Der teils etwas untypische Cast überzeugt von Anfang an mit schauspielerischer Fähigkeit, Witz und Charme. Die Besonderheit besteht darin, mit kleiner Besetzung eine Vielzahl an Charakteren dazustellen. So spielt J-D Schwarzmann den grummeligen Alm-Öhi genauso authentisch wie die blondgelockte Klara. Sogar als Heidis Lieblingsziege Bärli kann Schwarzmann glänzen. Clara Diemling verleiht der Titelheldin durch ihr selbstbewusstes Auftreten eine freche Note und begeistert mit ihrer energievollen Performance. Ein großer Applaus gebührt Klemens Dellacher. Neben dem Geißenpeter oder der leicht abgehobenen Tante Dete, verkörpert er insbesondere Fräulein Rottenmeier so herrlich unsympathisch, dass dem Publikum ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Die simplen Kostüme ermöglichen den dynamischen Wechsel zwischen den Rollen: An einem Kleiderständer hängen Requisiten – Hüte, Tücher, Westen – mit deren Hilfe die Darsteller:innen in verschiedene Charaktere schlüpfen. Klara muss nur eine Pelzmütze anstatt der blonden Perücke aufsetzen und schon hat sie sich in Bärli, die Ziege verwandelt. Oder ein Hut wird getauscht und anstelle Fräulein Rottenmeiers steht der Ziegenpeter auf der Bühne. Das unkomplizierte Konzept funktioniert gut und macht die rasch aufeinanderfolgenden Rollenwechsel verständlich. Genau daraus bezieht das Stück seine Spannungseffekte. Ebenso wirkungsvoll ist das minimalistische Bühnenbild. Um die Szenerie von Alm-Öhis selbstgezimmerter Holzbank in das vornehme Zimmer der Familie Sesemann zu wandeln, muss die Bühnenwand nur gedreht werden. Diese Idee ist zwar nicht neu, aber gut geeignet um den Erzählfluss lebendig zu halten. Zusätzlich verleiht das wiederholte Durchbrechen der vierten Wand dem Stück ein improvisiertes Flair. Dadurch bleibt die komödiantische Dynamik nicht alleine auf Ebene der Figuren verhaftet, sondern wirkt auch zwischen den Schauspieler:innen weiter.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob das Drehbuch für sich alleine stehen kann, oder ob es von der Nostalgie des Publikums lebt. Oft erzählter Stoff läuft leider auch Gefahr sich zu sehr auf das Vorwissen des Publikums zu verlassen. Nichtsdestotrotz handelt es sich um eine sympathische und spritzig erzählte Inszenierung der beliebten Geschichte. Die bekannte Handlung wird flüssig und kompakt erzählt und profitiert von der ungezwungenen Dynamik zwischen den großartigen Darsteller:innen.


Inszenierung: Agnes Hausmann | Textfassung: Markus Steinwender | Musik: Stefan Lasko | Kostüm: Sigrid Dreger | Regieassistenz: Kim Schlüter | Darsteller: Klemens Dellacher, Clara Diemling/Kim Schlüter, J-D Schwarzmann

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