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Schneekönigin Dschungel Wien

Die Schneekönigin nach Hans Christian Andersen /// Dschungel Wien /// 6+ /// Elisabeth Hochwarter

„Seht! Nun fangen wir an. Wenn wir am Ende der Geschichte sind, wissen wir mehr, als jetzt, denn es war ein böser Kobold!“ So hebt Hans Christian Andersens „Die Schneeköngin“ an und so hebt die sanft modernisierte Tanztheateraufführung des Märchens im Dschungel unter der Regie von Julia Burger an. Die nicht unwichtige Vorgeschichte über den Spiegel des Teufels, der alles Böse verstärkt und alles Gute schrumpfen lässt, wird recht schnell erzählt. Nicht ganz einfach ist es, der komplizierten Geschichte und veralteten Sprache Andersens gleich eingangs zu folgen.
Erfreulich anschaulich und sprachlich stärker aufgelockert geht es dann jedoch weiter mit der abenteuerlichen Reise der aufgeweckten Gerda (Anna Liesa Grebe) auf dem Weg zu ihrem besten Freund Kay (Steve Schmidt). Von der Schneekönigin entführt und geküsst verwandelt sich Kays Herz zu einem Eisklumpen. Mit einem Kuss vergisst er Gerda. Ein Kuss der eisigen Schönen war zu viel und Kay müsste sterben. Ob ihn Gerda zuvor finden und wärmen kann?

In wunderbaren Tanzeinlagen verschmelzen vier Tänzer zu einer Schneeflocke; für den akrobatischen Tanz eines Rabenpaares gibt es Zwischenapplaus. Das sparsame Bühnenbild (Sabine Ebner) setzt die richtigen Akzente und verzaubert durch einen bunten Blumengarten aus Luftballons oder eine funkelnde Sternennacht. Und natürlich dürfen im Land der Eiskönigin weder Rentier noch ordentliches Schneegestöber fehlen. Inmitten der winterlichen Schönheit rührt Gerda den vereisten Kay zu Tränen und das teuflische Glaspartikel entweicht aus seinem Auge. Leider bleibt diese Szene wegen der fehlenden Deutlichkeit der Vorgeschichte unklar.
Das glückliche Ende wird wenig ausgekostet. Das ist aber nicht weiter schlimm, geht es doch vor allem um Gerdas Reise zu Kay. Als sie ankommt sind beide „erwachsen, und doch Kinder, Kinder im Herzen“. „Die Schneekönigin“ erwärmt vor allem mit dem geglückten Zusammenspiel von Tanz und Schauspiel die Herzen – auch die jener Kinder, die bereits erwachsen sind.

Wer keine Angst vor der Schneekönigin hat, kann sich in einem Labyrinth im Hof mit Kopfhörern auf die Suche nach ihr begeben. Bei der “Schneekönigin-Suche” ist Märchenwissen gefragt!

 

Nach Hans Christian Andersen in einer Fassung von Julia Burger und Meike Sasse | Regie: Julia Burger | Ausstattung: Sabine Ebner | Regieassistenz: Adrian Linz | Hospitanz: Zaira Keßler | Ausstattungsassistenz: Katharina Maria Ippisch | DarstellerInnen: Anna Lisa Grebe, Rino Indiono, Steffi Jöris, Maartje Pasman, Steve Schmidt, Aleksandra Corovic*

*Anstelle der erkrankten Mira Tschern