(c) Theresa Pewal

Giraffen summen – eine bekrabbelbare Performance /// schallundrauch agency /// Dschungel Wien /// für Babies von 6-15 Monaten

20 Babies krabbeln in einem ovalen Sitzkreis, außen sitzen die Mamis und Papis, die Soundkulisse ist voll mit halbfertigen Wörtern und Brabbellauten. Am Boden liegen pizzaförmige Stoffteller in warmen Farben. Was einer Krabbelstube gleicht, ist die Bühne für die performative Installation „Giraffen summen“, die von der für ihre performativen Innovationen bekannten schallundrauch agency für die Allerkleinsten dieser Welt konzipiert und gerade im Dschungel Wien wiederaufgenommen wurde.

Man ist schon entzückt, bevor es losgeht, sind doch Babies schon einzeln eine Augen- und Ohrenweide, wenn der Überblick aber 20 dieser Wesen in Interaktion erfasst, müsste es eigentlich gar kein Theater geben. Umso überraschender, dass die Aufmerksamkeit aller sofort anspringt, als nach fließendem Übergang zuerst gepfiffen, dann ein Rhythmus verkörpert und dann das erste Lied angestimmt wird. Die Kulleraugen richten sich sogleich in die Mitte auf Michael Haller, Jules Mekontchou und Una Wiplinger und es bleibt still für eine Minute (wow!). Solcher Momente gibt es einige und sie funktionieren alle über akustische Reize und Stimmungen. Es tut eigentlich wenig zur Sache, was das durchgehende Thema ist, denn die wenigsten verstehen das, aber auch die Eltern wollen staunen. Und so wird man friedlich besungen, alles scheint erlaubt. Dazwischen so etwas wie Tanzeinlagen oder Posen, sitzend, am Boden kauernd imitieren vereinzelte Babies die Handlungen der Kompagnie, meistens ist es aber umgekehrt, denn so funktioniert generationenübergreifende Kommunikation: über die Anregung von Spiegelneuronen. Als gegen Ende ein Sack voll Rasseleier in die Mitte des Ovals geschüttet wird, strömen alle zielgerichtet ins Zentrum und greifen nach den Instrumenten. Es folgt eine Symphonie aus Rasseln, Lachen, Weinen und Singen, die unrhythmischer und schöner kaum sein könnte. Zum Abschluss ein Rock´n´Roll-Kinderlied: „I take the head off the duck“. Hier steigen viele schon wieder aus und krabbeln zurück zu den Mamis, welche sich über den Text amüsieren. Das ist 360°-Theatereinführung zum Fühlen, und die Reaktion der Kinder ist göttlich. Sie bestätigt: dieser Zugang funktioniert.

Konzept, Regie: Janina Sollmann; Künstlerische Beratung: Gabriele Wappel; Performance: Jules Mekontchou, Michael Haller, Una Wiplinger; Bodeninstallation und Raum: Dorli Mayer; Raum und Licht, technische Leitung: Silvia Auer; Kostüm: Anna Panzenberger; Regieassistenz: Victoria Philipp; Bühnenbildassistenz: Martina Nagl; Produktion: Ulla Steyrleuthner; Presse und PR: Elisa N. Weingartner