(c) ANDREA RIZZA GOLDSTEIN

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SUPERABILE /// Teatro La Ribalta Bozen /// WUK Wien /// Timon Mikocki

Zum ersten Mal auf Deutsch war vergangene Woche im WUK die Südtiroler Theatergruppe Teatro La Ribalta zu sehen. Ihr Stück superabile (dt.: „überfähig“, auch „überwindbar“) führt in lose aneinandergereihten Szenen die Lebensrealität von anders Begabten vor Augen; den Kampf um Autonomie und die ständig erforderliche Überwindung von Hindernissen, seien es materielle oder geistige. Zwei SchauspielerInnen sind RollstuhlfahrerInnen, einer hat Down Syndrom. Als wichtigstes dramaturgisches Element dient ein Overhead-Projektor, der von Michele Eynard kunstfertig bedient wird. Er legt schnell Folien nach, zieht sie über die Lichtfläche, hebt und senkt sie, zeichnet hinzu, löscht weg und setzt den Projektor filmisch ein, um auf die Bühne bewegliche Comic-Strips zu werfen. Das habe ich in dieser Versatilität noch nicht gesehen. Für die geräuschvolle Unterstützug sorgt daneben der im Dunkeln sitzende Rollstuhlfahrer Rocco Ventura; einzig mit einem Mikrofon ausgestattet, steht seine Vielseitigkeit jener von Eynard um nichts nach.

Die Handlung evoziert zu Beginn ein Wettkampfszenario, Vergleiche stehen im Raum. Einmal muss sich der im Rollstuhl Sitzende gegen einen schnellen Läufer behaupten, einmal muss bei einer Liebesszene ein „Übersetzer“ weggeräumt werden, damit es zu Intimität kommen kann. Immer werden die Problemstellungen mit Humor gelöst – bisweilen auch mit großem Sarkasmus, der dem Stück Leichtigkeit verschafft. Wer sich im Ton vergeht, bekommt eins mit der Comic-Keule übergezogen. Das ist drastische Selbstermächtigung. Und so breiten sich poetische sowie symbolische Flügel aus, die den DarstellerInnen ihre Freiheit ermöglichen.

„Wir sind der Stoff aus dem die Träume sind“, das steht als Motto am Anfang. Das ist bodenständiges, fast existenzialistisches Theater. Die Gruppe findet einfache Mittel, um die stets vorhandenen „Scharniere zwischen ihr und der Welt“ zu zeigen. Auf die Frage „bin ich so richtig?“ folgt eine Mannigfaltigkeit an Optionen, sodass die Frage unwichtig wird. Zuschreibungen werden hinterfragt und stattdessen schöne Eigendefinitionen geltend gemacht. Wunderbar illustriert, musikalisch und akustisch gut untermalt und hervorragend inszeniert ist dieses freudvolle Stück – inklusiv im besten Sinne.

Künstlerische Leitung: Antonio Viganò; Schauspieler_innen: Melanie Goldner, Jason De Majo, Mathias Dallinger, Daniele Bonino; Geräusch-Künstler: Rocco Ventura; Live-Zeichner: Michele Eynard