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max und moritz_da ist noch was im busch (c)

Max und Moritz – Da ist noch was im Busch (Rabenhof Theater) ///

… wie Max und Moritz den “Buschmann” austricksen /// Katrin Hammerl ///

Für alle ab 6 zeigt der Rabenhof MAX UND MORITZ – Da ist noch was im Busch. Autor Bernhard Studlar und Regisseur Roman Freigaßner haben Wilhelm Buschs Klassiker weitergedacht und schufen eine markante Parabel von Anarchie und Anpassung – ein Plädoyer für die Vielfalt und eine scharfe Kritik an Herrschaftssystemen.

Die Rahmenhandlung bildet der Konflikt zwischen Max und Moritz (Paul König und Michael Schusser) und dem Autor „Buschmann“: Wer von ihnen wird die Geschichte von „Wilhelmsbusch“ spielen dürfen? Die Bewohner_innen von Wilhelmsbusch (allesamt verkörpert durch Bernhard Majcen), die wir als Spießbürger_innen bereits aus dem Original kennen, leben hier in opportunistischer Konformität, den Befehlen eines Huhnes folgend. Sie sind wenig erfreut, als Max und Moritz erneut auftauchen und wollen die beiden zu angepassten „Boltewisten“ bekehren. Der Widerstand fällt dem gewohnt gewitzten Duo leicht und am Ende gelingt Max und Moritz gar ein hoffnungsvoller Ausblick für den Mehrheitler_innen-Staat.

Mit Kritik an politischen Systemen anhand von Wortspielen und der dramaturgischen Auflösung – Autor Buschmann selbst verbirgt sich hinter dem angebeteten Huhn, das den Status eines Oberhauptes oder Gottes hat – wird hier Theater ab 6 auf hohem Niveau geboten. Das farb- und formsymbolische Pendant gelingt Heike Mirbach: Schwarzweiß und Geradlinigkeit dominieren Wilhelmsbusch. Nur Max und Moritz sind bunt gekleidet und das Licht unterstützt sie mit Farbflecken auf der Kulisse. Die minimalistische weiße Wand mit schwarzen Linien überrascht mit Effekten: Türen öffnen sich, eine Waschmaschine und ein Bett fahren aus der Wand heraus, etc. Ebenso detailliert sind die Kostüme und Perücken.

Der Fokus bleibt aber ganz auf den vier mitreißenden Schauspielern; allen voran der wandelbare Bernhard Majcen in vielen Rollen, die er jeweils anders deutlich überzeichnet – oft zum Schreien komisch. Und mindestens so amüsant sind die Streiche, anhand derer Max und Moritz die öde Busch-Welt aushebeln, und welche das Ausreizen der körperlichen Schmerzgrenze hier gar nicht nötig haben.

Auch wenn uns Pippi Langstrumpf immer inspirieren wird, wenn es um eine „kunterbunte Welt“ geht: Wie wäre es eigentlich, Max und Moritz in einer ihnen entsprechenden Lebensform zu erleben?

Premiere: 27.03.2014 – Rabenhof Theater

Buch: Bernhard Studlar (nach dem Original von Wilhelm Busch); Regie: Roman Freigassner; Ausstattung: Heike Mirbach; Darsteller: Paul König, Bernhard Majcen, Michael Schusser, Fathi Sentürk