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Jenseits von Wirklich // Theater foXXfire! // Dschungel Wien // 13+ // Julia Gramm

Das Stück handelt von vier Jugendlichen, die alles anzweifeln, was sie selbst nicht mit Fakten belegen können. Die Erwachsene Charlie (Felicitas Lukas) bietet ihnen ihr Haus als Treffpunkt an.
Alvis (Onur Poyraz) hinterfragt beispielsweise die Vorstellung, dass, wenn man ungeschützten Sex hat, unweigerlich ein Kind entstehen muss. Alvis verkündet daraufhin, dass er diese These „überprüfen“ werde. Der Freundeskreis steht zwar Alvis’ Experiment skeptisch gegenüber, aber es wird nie auf mögliche Konsequenzen eingegangen. Ähnlich problematisch verhält es sich mit der Thematisierung von Solveighs (Hanna Stadler) selbstverletzendem Verhalten: Auf textlicher Ebene wird es fast verkitscht behandelt; Statt von „Schnittverletzungen“ wird etwa von „Jahresringen“ gesprochen.

Während die Figuren Enia (Duygu Arslan), Manuel (Benedikt Häfner) und Solveigh „naturalistisch“ gespielt werden, wirkt das Spiel von Lukas und Poyraz im Vergleich überzogen. Diese Unstimmigkeit verwirrt als Zuschauer_in. Poyraz gibt mit seinem überdrehten Spiel immer wieder Anlass zu lachen. Trotzdem ist man sich nie sicher, ob die Komik intendiert war, wirkt sie doch im schweren Stoff des Stücks oft fehl am Platz. Trotz der Verwirrung ist Alvis das Highlight des Stücks: Poyraz verleiht seiner Figur große Bühnenpräsenz und Charme und zeigt coole Tanzeinlagen. Die Figur Charlie hingegen wirkt wie aus der Welt gefallen: Sie erinnert stark an Teufelsfiguren aus Sagen, die so lange auf Menschen einreden, bis sich diese ins Verderben stürzen.

Die Inszenierung ist durchzogen von ausdrucksstarken Bildern: Die Schauspieler_innen spielen immer wieder kleinere aneinandergereihte Szenen, die mit Black Outs voneinander abgeschnitten werden – Eine kleine Hommage an die Jump Cut-Ästhetik von Internetvideos.

Das Stück erwartet viel von seinen Zuschauer_innen, u.a. großes Reflexions- und Abstraktionsvermögen und einen gefestigten moralischen Kompass. Damit ist es kein einfaches Stück, aber es bietet viele Anknüpfungspunkte für Reflexion und Nachbesprechung.

Autorin: Alexandra Ava Koch; Regie: Richard Schmetterer, Alexandra Ava Koch; Ausstattung: Karoline Hogl; Dramaturgie: Sandra Feiertag; Schauspiel: Duygu Arslan, Hanna Stadler, Benedikt Häfner, Felicitas Lukas, Onur Poyraz; Foto: Richard Schmetterer, Rainer Berson