Agathe Bauer: Die Tournee von Theater Ansicht | Junges Theater Wien | ab 14 Jahren

Agathe Bauer: Die Tournee ist die erste Uraufführung von Junges Theater Wien. Die Erwartungen sind groß und werden mit dem ersten Eindruck bestätigt: Animierte schwarzweiß Cartoon-Hintergründe auf der Leinwand, von Roy Lichtenstein inspiriertes Schminke, gelbe Manga-Filzperücken. Für die erzielte Ästhetik kombiniert die Produktion selbstbewusst bekannte Konzepte zu einem eigenen Flair.

Leider hält das Buch nicht, was der Look verspricht: In kleinen Vignetten und anschließenden Songs begleitet das Publikum Agathe Bauer durch ihren Alltag, der geprägt ist von Gefühlen der Sprachlosigkeit, Machtlosigkeit, Unsicherheit und Angst ob des aktuell andauernden politischen Rechtsrucks. Der Text ist weniger hit als miss, Übergänge zwischen Szenen gibt es nicht oder glücken nicht. Dadurch wirkt die Aneinanderreihung erzwungen. Durch dieses ewige Stop and Go kommt die Handlung nie so recht in Schwung, sondern verliert mit jeder neuen Szene Momentum und muss mit viel Energie jedes Mal aufs Neue ins Rollen gebracht werden.

Das funktioniert sogar so halb, das Stück hat das seinem starken Cast zu verdanken. Die drei Darstellerinnen spielen eindringlich und begeistern zusätzlich mit ihrem gesanglichen Können. Ein Hit wird Agathe Bauer dadurch trotzdem nicht, denn auch beim roten Faden der Handlung gibt’s grobe Probleme: Nach einem kurzen Abstecher zur ersten Liebe schließt das Stück dann mit der ersten Wahl von Agathe – ein Thema, dass zwar am Anfang etabliert, aber zwischendurch völlig verloren gegangen ist.

Agathe Bauer ist optisch gelungen, hat aber inhaltlich verfehlt: Die wichtigen Themen und Gefühle sind da, die Umsetzung wirkt leider krampfhaft statt natürlich. Die Darstellerinnen retten viel, aber der Gesamteindruck bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Text, Regie & Musik: Julia Meinx & Flo Staffelmayr | Illustration & Grafik: Viktoria Strehn | Mit: Isabella Anscheringer, Sarah Lehner, Valentina Selimi, Laura Wimmer & Amelie Wolf

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