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„Weihnachtsgeschichten vom Franz“ (Dschungel Wien) ///

Ein Auftakt für Weihnachten /// Nika Schwarz ///

Die Weihnachtsgeschichten vom Franz nach einem Kinderbuch der Erfolgsautorin Christine Nöstlinger (Adaption: Rainer Hertwig) bieten in ihrer Uraufführung im Dschungel ein turbulentes Fest – für die Sinne.

Textlich auf den Punkt gebracht, erzählt sich die Geschichte von Franz (Simon Schober), Gabi (Wendi Gessner), Eberhard (Simon Dietersdorfer) und Josef (Michael Pöllmann) über den dramaturgischen Bogen der Musik. Dabei setzt die Inszenierung (Sara Ostertag) ganz auf das Spiel und das Spielen selbst. Eine dynamische Komposition tönt und spricht, erzählt und handelt von Gefühlsakzenten im Geflecht von Freundschaft und Familie. Da greift einer in die Seiten oder pfeift wie der Wind, wenn der Schnee von der Decke fällt. Weil es kalt wird auf der Bühne, wenn der Franz sich alleine fühlt. Oder aber, die Becken und Trommeln protestieren tobend gegen die dröhnende Eifersucht, wenn Franz meint, nicht geliebt zu werden. Mit Songs wie „Wir backen Kekse“ oder „Ich hab den Weihnachtsblues“ und einigen mehr, bietet das Zusammenspiel der Musikerin mit den Schauspielern mehr als nur akustische Untermalung, sondern auch einen Streifzug durch das Spektrum des Klangs und den Genres der Musik.

Bespielt werden der dicke Kontrabass und das Schlagzeug, die schon auf der Bühne zwischen Zelten aus Küchentüchern, Matratzen und einer lebensgroße Puppenküche stehen. Liebevoll detailliert bietet das Bühnenbild freien Raum für phantasievolle Verknüpfungen und so wird auch mit der Geschichte verfahren. Gespielt, musiziert und erzählt werden die Eckpunkte der letzten Tage vor Weihnachten, inmitten einer bunten Welt, wo sich neben dem alljährlichen Geschenketrubel letztendlich doch alles um die Liebe dreht. Dabei gelingt es den Schauspielern, allen voran Dietersdorfer, zwischen dem eigenen Erinnern an das Kindsein und dem Spielen auf der Bühne großartig zwischen den Figuren hin- und her zu springen. Während die Franzgeschichte von den Kinderfiguren erzählt wird, zeigt sich der Blick auf die Erwachsenenwelt in spielerischer Leichtigkeit, wenn Mama (Dietersdorfer) und Papa (Pöllmann) nur als Koordinaten der kindlichen Welt sichtbar werden. Das Spielelement fokussiert auch hier mit stilisierten Gesten und Verhaltensmustern, wenn über Requisiten immer wieder das Elterngefüge Einzug hält. Gekonnte Reduktion der Erwachsenenfiguren lässt somit die Diskrepanz der Darstellerkörper zu den Kinderfiguren überwinden.

Dies gelingt leider nicht immer. Die freundschaftliche Liebe zwischen Gabi und Franz gewinnt gelegentlich zu stark an Gewicht. Nicht mehr die kindlichen, sondern erwachsene Interessen und Leidenschaften übertragen sich, wenn Gabi zum Luder und das Mann-Sein zu stark betont wird. Die Frage „Papa, was ist ein Luder?“ ebenso wie Protestschreie des Kinderpublikums bei Bussis von Mama und Papa auf der Bühne, wünschen sich diese Interessen noch außen vor. Auch die Liedtexte (Patrick Karpinczenko) – durchaus gut pointiert – setzen auf Vorwissen, das ab und an zu fordernd wirkt. Allerdings können durchaus ein oder zwei Gustostücke vom jungen an das junggebliebene Publikum abgegeben werden, da die Mischung aus dynamischen Abwechslungen, körperlichen Bildszenen und musikalischer Vielfalt nichts zu wünschen übrig lässt.

Eine berührende Geschichte ganz ohne Weihnachtskitsch, die Erinnerungen an ein vergessenes Fest mit Witz und Dynamik zu beleben weiß.

Premiere: 16.12.2010 – Dschungel WienWeihnachtsgeschichten vom Franz

Autorin: Christine Nöstlinger; Bühnenbearbeitung: Rainer Hertwig; Regie: Sara Ostertag; Schauspieler_innen & Musiker_innen: Simon Dietersdorfer, Wendi Gessner, Michael Pöllmann, Simon Schober; Musik: Simon Dietersdorfer, Wendi Gessner, Martin Hemmer

weitere Kritiken: Wenn alle Wünsche in Erfüllung gehen /// Reinhard Strobl

Von paul

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