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wim-ist-weg (c) Ani Antonova

WIM IST WEG /// Dschungel Wien im Augarten /// 6+ /// Timon Mikocki 

Der Dschungel Wien ist für die hohen Temperaturen am Saisonende in den Wiener Augarten gewandert. Sara Ostertag hat dort nach Vorlage des holländischen Kinderbuchklassikers „Wim ist Weg“ eine interaktive Detektivgeschichte inszeniert. Sehr spannend ist es, mit einer Horde von Kindern die Waldwege im Augarten im Gänsemarsch entlangzupirschen und dabei eine Mission zu haben: Wim muss gefunden werden, nachdem er mit seinem neuen Fahrrad ausgebüxt ist. Die Topoi und Figuren, denen man auf der Suche begegnet, sind sehr heterogen: Romeo und Julia, einen musikalischen Waldgeist, aber auch eine vergessliche Oma, eine hysterische Joggerin und einen Eisverkäufer trifft man. Jede scheint nach etwas zu suchen, jede hat eine Geschichte parat. Die Kleinstnarrative liefern Anstöße zur Lösung des Rätsels, aber auch zum Nachdenken über generelle Lebens- und Liebesweisen.

Das Publikum wandelt durch überraschend entstehende Mikrokosmen, die gelegentlich durch vorbeifahrende Traktoren oder Spaziergänger aus der realen Welt kontrastiert werden. Den Indizien und ihren Parksheriffs folgend, werden die Kinder zu neugierigen Mitspielern, die spontan reagieren müssen. Das macht jede Vorstellung einzigartig. Wenn es inhaltlich schwierig wird, streut das einsatzstarke Ensemble lockere Tanzeinlagen und stimmige Musikstücke ein. Die zwischendurch oft skandierte Parole beschreibt dabei den Forschungsweg: Dem “Observieren!” und dem “Analysieren!” folgt am Ende das “Kanalisieren!” Alle Wege und Beweisstücke führen zusammen und Wim taucht wieder auf. Nebenbei wurden die Kinder zu kleinen Parksheriffs ausgebildet und ein Widerstreit zwischen Ordnung und Unordnung angeleitet. Manchmal fragt man sich während der Exkursion nach den Motivationen für Handlungsfortgänge, außerdem ist es schade, dass man aufgrund der frühen Aufteilung in zwei Gruppen nicht alle Stationen mitbekommt. Dafür müsste man schon zwei Mal hingehen. Für eine verrückt-ermutigende Szenerie und ein neues, beweglich bewegendes Theatererlebnis wie dieses zahlt sich das auf jeden Fall aus.

Noch bis 22.06. zu sehen.

Nach dem gleichnamigen Buch von Rogier Boon | Aufführungsrechte: Verlag Rubinstein, Amsterdam | Regie: Sara Ostertag | Ausstattung: Christian Schlechter | Ausstattungsmitarbeit: Marie Schepansky | Musik: Martin Hemmer | Dramaturgie: Julia Perschon | Regieassistenz: Florian Eschelbach | Fahrradbau: Peterle Pedale (The Vienna Bikekitchen) | Choreografie: Steffi Jöris, Maartje Pasman, Rino Indiono |DarstellerInnen: Steffi Jöris, Maartje Pasman, Mira Tscherne, Rino Indiono