Parzival /// von Plaisiranstalt /// Dschungel /// 8+ /// Theresa Luise Gindlstrasser ///

„Ich will Ritter werden“, trotzt Klaus Huhle als Parzival. Führt Sven Kaschte als Gawan, Ritter par excellence, sein Pferd (ein felliges Fahrrad), seine Rüstung (ein schwarzer Sweat-Suit mit goldenen Streifen), sein Können (Bäm! Zack!) und Benehmen (Ein Ritter stellt keine Fragen!) vor. Glänzt vor lauter Überlegenheit, grinst vor lauter Kraft und Kompetenz. Im Verlauf der 70-minütigen Produktion „Parzival“ in der Regie von Paola Aguilera nimmt sich Kaschte noch und noch eine Rolle vor – die Helikopter-Mutter, die Geliebte, König Artus, Hüter der Gralsburg Anfortas – und arbeitet sich mit Dialekten und Körperhaltungen in jeweils spezifische Komik hinein.

Parzival hingegen bleibt Parzival, bleibt der gegen sein Alter als jugendlicher Abenteurer besetzte Huhle. Erobert sich die Rüstung des roten Ritters und trägt fortan einen rosaroten Jumpsuit mit dazu passender Badehaube. Er will Ritter werden! Neugierige Aufregung und ängstlicher Trotz, tappst Huhle mehr nebenher von Abenteuer zu Abenteuer. Autor Raoul Biltgen hat den Parzival-Versroman von Wolfram von Eschenbach, zwischen 1200 und 1210 entstanden, von allem heldischen Hochmut entstaubt. Im raschen Klipp-Klapp der Dialoge kommt nicht nur der Schabernack zu allen Pointen, kommt auch die Eitelkeit und Tollpatschigkeit der Figuren ans Licht.

Am Ende – Parzival hat Anfortas nicht gefragt, warum er denn so leide und also seine Chance auf Erwerb des Grals verspielt – läuft die Moral von der Geschicht nicht bloß aufs Lernen von mitleidiger Aussetzung der ritterlichen Regeln hinaus, sondern auf ein umfassendes, anarchisches, alle ritterlichen Regeln in Verhältnis zu ihrer Sinnhaftigkeit setzendes „wir sind geboren, um frei zu sein“ von Ton Steine Scherben. Parzival, eine Coming-of-Age-Komödie par excellence.

Autor: Raoul Biltgen, Regie: Paola Aguilera, Dramaturgie: Guido Mentol, Bewegungscoach: Aleksandar Acev, Licht: Hannes Röbisch, Schauspiel: Klaus Huhle, Sven Kaschte.