Und die Erde ist doch eine Scheibe. /// von Kollektiv Kunststoff /// Dschungel Wien /// 8+ /// Theresa Luise Gindlstrasser ///

Die vier Tänzerinnen surfen. Im Internet. Klick! Selfie! Christina Aksoy, Waltraud Brauner, Raffaela Gras und Stefanie Sternig performen diese 1000-offene-Tabs-Aufmerksamkeitsspanne mit über 50 Minuten ungebrochenem Elan. Sie surfen, sie klicken, sie posieren. Und obwohl mit großen Scheiben hantiert, instrumentiert und musiziert wird, ist die für „Und die Erde ist doch eine Scheibe.“ porträtierte Technologie kein externes Gerät, sondern ein Implantat im Auge. Nun geht’s aber weniger um die Erweiterung des Menschen in Richtung Cyborg, sondern um dessen Verhältnis zur allwissenden Linse, nicht „Siri“ sondern „Iris“ genannt. „Soll ich etwas trinken?“, wird da etwa gefragt und der völlige Verlust des Bezugs zu den eigenen Körperfunktionen angeteasert. Iris hat manchmal Virus, dann sind alle lost.

Es geht also um Abhängigkeiten. Imposant visualisiert inmitten abstrakter Projektionen (von nita.), einem Kostümbild aus einem Guss (von Sophie Baumgartner) und den knarzigen Elektro-Klängen von Peter Plos. Es geht aber auch um das Ausstellen der neuen Helden und Heldinnen des Internets, den Youtube-Stars. Mit lila Perücke am Kopf werden Alltagshandlungen zu Überraschungseffekten stilisiert. Alles à la: Seht mal her, ich kann mich frisieren. Dann fliegt jemand an vier Luftballone gebunden (und von den anderen getragen) durch den Raum. Der dabei zur Schau gestellte Fröhlichkeitswahnsinn spricht von tiefer Einsamkeit und Melancholie.

Choreografie & Performance: Christina Aksoy, Waltraud Brauner, Raffaela Gras, Stefanie Sternig | Visuals: nita. | Klangregie, Sound: Peter Plos | Kostüm: Sophie Baumgartner | Dramaturgische Beratung: Martina Rösler, Technische Leitung: Silvia Auer