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TWOF2 /// Dschungel Wien  /// 10+ 

Das Kollektiv Spanring/Jussi hat schon öfters gezeigt, dass ihm konventionelles Theater nicht zusagt. Und mit BrainGame, Lügen, Skreek und Schneewitchen Backstage interaktive Stücke erfunden, die die Wunder der Technik nahtlos integrieren. In diesem Fall probt man in der Gruppe beim Stadtspaziergang Schwarmverhalten. Über die Ohren vom artifiziellen, ur-mütterlichen GPS-System “Maria” gelenkt, hat man die Augen in der Innenstadt. Wie beide Welten ineinander verfließen, und ein “wir” dazwischen, ist der große Genuss dieser Walking Performance. Toll ist so ein Herdenleben, wenn man auf die Schönheit ringsum aufmerksam gemacht wird, im Park Liebesszenen bezeugt und bei Phantasiegeschichten Mitwisser ist, während die “normalen” Menschen im gewöhnlichen, langweiligen Leben verharren und blöd schauen. Außerdem braucht man sich wie die Fische nur an der Vorderperson zu orientieren und ist sicher.

Die Tour führt vom MQ über den Heldenplatz zum Schwedenplatz – hier teilt sich die Gruppe in 2 Teile –  und von dort sogar in die U-Bahn; wo der minutiös ausgetüftelte Soundscape weitergeht und einmal lautstark “Walter!” gerufen wird; zur Freude der Gruppe und zur Verwunderung der “Normalos”. An mehreren Punkten ist Walter anzutreffen oder zumindest im Stadtbild zu erspähen – meist allerdings ohne wirklichen Handlungszusammenhang. Und das ist – trotz aller guten Einfälle und kreativer Spots –  zwar für die Umsetzung des “Wimmelbuches” adäquat, am bewegten Theater hätte die Vorlage des Suchens sicher mehr hergegeben. Twof2 verlagern den Schwerpunkt lieber auf die Themen Urbanität und Identität und aufs sinnliche Wahrnehmen. Auch gut. Trotzdem eine sehr starke, abwechslungsreiche und reichlich erstaunliche Auf- und Durchführung. Am Ende trifft man die abgetrennte Gruppe zur Silent-Disco in der Dämmerung wieder und schwelgt über den Dächern der Stadt noch einmal gemeinsam in Moment-Erinnerungen. Das war der einzige Punkt, an dem die Funkkopfhörer nur mehr gerauscht haben, weshalb dummerweise (für mich) das Ende verloren gegangen ist. Aber, aber: Empfohlen!

Konzept, Leitung: Maria Spanring, Giovanni Jussi; Realisierung: Anja Bacovsky, Pol Belardi, Luisa
Bevilacqua, Julia Defrancesco, Simon Hajós, Sophie-Marie
Hasibeder, Giovanni Jussi, Raphaël Michon, David
Pujadas-Bosch, Eve Lyn Scheiben, Maria Spanring, Mario Stadler, Annabelle Staudacher