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Asip und Jenny /// Theater Akzent /// Taka-Tuka /// 12+ /// Timon Mikocki 

Zwei Teenager begegnen sich plötzlich auf einer Brücke über der Salzach. Asip ist Asylwerber aus Afghanistan und Jogger aus Leidenschaft. Jenny kommt aus bürgerlichem Haus und ist verzweifelt. Er bewahrt sie davor, ihr Leben wegzuwerfen, sie hilft ihm beim Deutschsprechen und Gesellschaft-Verstehen. Im neuen Jugendstück von Taka-Tuka werden kulturübergreifende Gemeinsamkeiten klug herausgearbeitet. Über Vergleiche relativieren die Beiden die jeweils eigene Misere und helfen einander beim Verarbeiten. Asip hebelt Jennys absolute Negativität mit Witz und Sensibilität aus. Er gibt seine Geschichte nur langsam preis. Sie hat ihre schon zu Beginn ausgekotzt und fühlt sich endlich von jemandem voll respektiert. Die schnell tiefergehenden Gespräche, aus denen das Stück besteht, sind direkt und berühren, weil unter Jennys Borstigkeit und Asips Schüchternheit eine wohlige soziale Wärme frei wird. Diese hilft den Teenagern aus der emotionalen Isolation, strahlt weit über den Bühnenraum hinaus und zeigt par excellence, wie der sogenannten Flüchtlingskrise zu begegnen ist. Der Text von Angela Schneider ist ungemein stark, rasant, emotional ohne Pathos. Die Umsetzung von Caroline Richards ist puristisch und vehement. Aufwendig inszenierte Projektionen unterbrechen regelmäßig den Dialog. Sie unterstützen die Handlung atmosphärisch und führen sie auch weiter, indem sie die erzählte Zeit musikalisch und visuell verdichten. Herzensbildung ist das insgesamt: Rührend, ringend um Halt in der Welt, dabei einfühlsam und nah an der Realität, die für jeden anders und doch teilbar ist.

Die beiden DarstellerInnen spielen beherzt, authentisch, perfekt komplementär. Sonja Zobel spielt erstmals nicht auf Englisch. Alaaeldin Dyab, der eigentlich Syrer und 24 ist, bewältigte eine Mammutaufgabe: Innerhalb von wenigen Monaten und fast ohne Vorkenntnisse lernte er ein 80-Minuten-Stück auf Deutsch. Auf allen Ebenen gelungen.

Nach dem Gastspiel in Wien ist „Asip und Jenny“ im November noch an drei Terminen im Kleinen Theater Salzburg zu sehen.

Mit: Sonja Zobel & Alaaeldin Dyab; Regie: Caroline Richards; Ausstattung: Ragna Heiny; Video: Julian Besch