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“Die faule Prinzessin” (katinka) ///

Hauptsache eine Weile mitspinnen /// Sara Schausberger ///

Die faule Prinzessin – Aufruf zum Müßiggang

Aus einem Spinnrad wird eine Kutsche wird ein Schloss. In „Die faule Prinzessin – Aufruf zum Müßiggang“ der Gruppe katinka entsteht das Bühnenbild von Kerstin Rajnar erst nach und nach mit schwarzen Zeichnungen auf einer weißen, in den Raum gestellten Wand. Immer mehr Zeichnungen werden es mit der fortlaufenden Geschichte. Es braucht nicht viel mehr als einen Stift, ein paar Requisiten und ein bisschen Musik, um für eine Weile der Leistungsgesellschaftden Rücken zu kehren und gemeinsam müßig zu gehen.

Die Inszenierung ist simpel und lässt sich Zeit. Ein Junge und ein Mädchen wollen eine Geschichte erzählen und können sich nicht einigen, wer beginnen und wer wen spielen darf. Hier nimmt das Märchen vom faulen Mädchen, „das müßig ging“ und nicht spinnen wollte, seinen Anfang. Es macht Spaß Ina Theißen in der Rolle des Mädchens und Jürgen Knittl als Junge, Mutter und vor allem als strenge Königin zuzusehen: Wie sie immer wieder aus ihren Rollen hinaus schlüpfen und die Handlung diskutieren, um dann wieder mittendrin im Märchengeschehen zu sein, in dem das Mädchen nicht weiß, wie es den Flachs der Königin zu Garn spinnen soll. Die Sprache des Märchens fügt sich in die Alltagssprache ein. Das ist schön gemacht, und irgendwann ist es egal, wo die Grenzen zwischen Märchen und Alltag verlaufen, Hauptsache man darf eine Weile mit spinnen. Zum Schluss wird das Mädchen mithilfe des Prinzen, im gemeinsamen Rhythmus und Tanz, den Flachs zu Garn gesponnen haben, und die aufgemalten Regale werden halb voll mit Garnrollen sein. Das Mädchen darf Prinzessin werden, wenn auch nur eine faule.

Unter der Regie von Kathrin Artl ist eine sanfte, manchmal allzu liebliche Interpretation vom Grimmschen Märchen „Die drei Spinnerinnen“ entstanden, die besagt, dass „Müßiggang nicht immer aller Laster Anfang ist“ oder man sich ständig „am Riemen reißen“ müsste. Eigentlich etwas, das wir alle uns immer wieder sagen sollten.

Premiere: 9.9.2011 – Dschungel Wien

Idee, Konzept: katinka; Regie: Katrin Artl; Bühne, Illustration: Kerstin Rajnar_frau mag rosa pink; Darsteller_innen: Ina Theißen, Jürgen Knittl