Tiger Lilien /// VRUM Performing Arts Collective /// Dschungel Wien /// 10+ /// Timon Mikocki 

Tigerlilien sind in Asien heimische, formschöne Pflanzen der Gattung Lilium, „wild und zart zugleich“ (Programmheftund stärken angeblich die Sehkraft. Ernst Jünger, der US-Lyriker Aldrich und eine britische Band gleichen Namens haben die Blumen u.a. als Symbole für Kunstproduktion verwandt. Das Tanzstück im Dschungel zeigt uns 7 Menschen unterschiedlichen Alters – ihre Weiblichkeit – die wohl mit dem Titel evoziert werden soll – vereint sie. Thematisch schließt das Stück mit dem Fokus auf Skalierungen unterschiedlicher Prägung damit an das vorhergehende Tanzstück mikro/makro an.

Eine lange Anfangsszene vor floraler Wandkulisse macht das Konzept klar: Zwischen 9 und 80 liegen eine Menge Erfahrungen, die die Identität prägen. Alter ist sozial und transhuman verhandelbar. Das Frauenensemble tanzt viele Momente ohne Berührungsängste, der Fokus liegt dabei auf der Weitergabe von Körper- und Lebenswissen, auf Interaktion und Austausch zwischen den Generationen. Zahlen, zählen, verstecken und zeigen, auffangen, teilen und austauschen: Gepriesen wird die Präsenz, die Gegenwärtigkeit, eine Absage an historisch bedingte Persönlichkeitsbilder: „Ich denke nur darüber nach, ich zu sein, nicht, wie viele Jahre noch bleiben“. Dabei wird die Jüngste stark in den Vordergrund gestellt, und die macht ihre Sache sehr gut. Der Tanz ist als Kern der Produktion sehr variantenreich und er findet anschauliche Knotenpunkte für die Verbindung Alter/Identität. Die wenigen textlichen Einsprengsel aus dem Off fügen etwas haltbarere biografische Information hinzu, im Ganzen bleibt das Stück aber im Hier und Jetzt, ohne eine Wandlung oder Geschichte auszustellen. Denn die Geschichte sieht man ja schon von Anfang an in Stirnreihe auf der Bühne. Que sera sera, die verändernde Körperlichkeit darf auch positiv gedeutet werden, jedes Alter hat seine Vorzüge, das führen uns die Tänzerinnen vor Augen und enden in einem selbstironischen, schreienden Lob mancher Eigenschaften des hohen Alters. Ein bekrönt feierliches Schlussbild lädt dann auch noch das Publikum zur fröhlichen, toleranten Ü8-Party ein. Und man freut sich, die große Bandbreite von Weiblich- und Körperlichkeit in Bewegung und im Zusammenspiel erlebt zu haben.

Konzept, Regie: Sanja Tropp Frühwald; Regieassistenz: Jasmin Steffl; Dramaturgie: Till Frühwald; Musik: Imre Lichtenberger Bozoki; Ausstattung: Zdravka Ivandija Kirigin; Licht: Mirza Kebo; Darstellerinnen: Adriana Cubides, Maria Farcher, Gat Goodovitch, Milena Leeb, Giordana Pascucci, Emma Wiederhold