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Gestochen und weg. /// Dschungel Wien /// 14+ /// Clara Gallistl ///

„Ich bin was ich will. Der Rest ist kollateral.“ – So endet der Text von Ann Cotten über die weibliche Pubertät – mit detaillierter, rhytmischer und vokal fein gearbeiteter Präzision von einem Mann mittleren Alters (Christian Reiner) vorgetragen. Ein dichter Abend moderne Musik mit zeitgenössisch-abstraktem Text, der selbst manche Erwachsene an ihre Grenzen fordert.

Auf weichem Teppich hat das Publikum in Socken Platz genommen. Schuhe sind in der weichen Bühnenwelt von Dornröschens hundertjährigem Schlaf verboten. Nachdem eine junge Frau das Märchen, das die Basis des künstlerischen Konzepts von Elisabeth Schimana bildet, in klassischer Erzählgeste vorgetragen hat, betritt ein dünner Mann mit grauen Haaren und seltsamen Gesten den Raum. Gemeinsam mit dem Ensemble von airborne extended trägt er Cottens Text vor. Dabei vereint er die Figuren Königin, Dienstbotin, Prinz und Dornröschen in einer Stimme.

Lyrikerin Ann Cotten erarbeitet in ihrem Text in großen und kleinen assoziativen Sprüngen die Auseinandersetzung vom Frauwerden inmitten gegenderter sozialer Zwänge und politisch bewegten Zeiten. Zu beiden Seiten ist das Publikum von Stoffbahnen flanktiert, die zu einem guten Drittel des Stücks mit den bewegten Bildern einer stark farbgesättigten VR-Welt projiziert werden. Dazu hört man anstelle von Text dann nur Gröllen und Vogelgezwitscher.

Für 14-Jährige ist die virtuell-lyrische Wanderung durch den zum Teil sehr anstrengenden Geräuschewald wohl ein Risiko, das vielleicht lohnt.

Dschungel Wien. netzzeit & Wien modern. Premiere: 26. November 2018.

Künstlerische Leitung: Michael Scheidl. Konzept, Musik: Elisabeth Schimana. Text: Ann Cotten. VR-Projektionen: Markus Wintersberger. Lichtdesign: Jan Wielander. Raum: Nora Scheidl. Erzähler: Christian Reiner. Ensemble: airborne extended. Technik: Peter Venus.