So. Apr 21st, 2024
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Koproduktion von makemake produktionen & JUST des Oldenburgerischen Staatstheaters // Dschungel Wien // 8+ // Julia Gramm

Die namenlose Protagonistin ohne spezifiziertes Herkunftsland flieht ins AndersLand. Die Traumata des erlebten Kriegs hat sie gut weggepackt, aber von Zeit zu Zeit manifestieren sie sich in Form von Koffern, unaufgefordert und prominent im Zentrum der Bühne. Sie werden aufgemacht, besprochen, wieder geschlossen und verstaut. Anschließend bemüht sich die Protagonistin weiter darum, sich ein neues Leben aufzubauen.

AndersLand erzählt keine stringente Geschichte, sondern reiht verschiedene Aspekte des Fremdseins aneinander. Zunächst ist der nüchtern vorgetragene Text lyrisch und voller Leerstellen, die vom Publikum zu füllen sind. Mit dem Auftauchen der Puppe zieht nicht nur der Dialog ein, sondern auch Humor. Auf den ersten Blick erscheint dieser unverbesserliche Nörgler schlicht wie ein comic relief, doch der Charakter stellt sich als Stellvertreter für eine offenherzige, hilfsbereite und mitfühlende Zivilgesellschaft heraus. Die Puppe heißt die Protagonistin willkommen, anders als der Staat und Firmen, die sie kategorisch ablehnen.

Das Bühnenbild ist immerzu in Bewegung, ohne stressig zu wirken: An der Bühnenrückwand hängt eine Projektionsfläche, auf der via Overheadprojektor und Beamer Collagen entstehen. Christian Schlechter gestaltet sie für das Publikum gut sichtbar auf der Bühne und passt sie immer wieder an. Das Bühnenbild und die Musik gehen ineinander über, als der Bass das projizierte Wasser in Unruhe versetzt und so die aufgewühlten Emotionen sowohl akustisch als auch optisch offenbart – Fantastisch!

Das Stück ist fast durchgehend musikalisch begleitet: Die überwiegend instrumentelle Hintergrundmusik ist beatlastig, die gesungenen Lieder glänzen durch eingängige Melodien. Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte in Simon Dietersdorfers Kompositionen ist die Musik in sich stimmig, rasend schön und spannend.

AndersLand ist eine assoziative Reise rund um Fremd- und / oder Heimischsein mit gleichermaßen umwerfendem Bühnenbild wie Musik. Große Empfehlung für Kinder wie Erwachsene!

Regie: Sara Ostertag | Bühne, Kostüme, Figurenbau: Birgit Kellner, Christian Schlechter | Musik: Simon Dietersdorfer | Dramaturgie: Anna-Teresa Schmidt | Auf der Bühne: Simon Dietersdorfer, Suse Lichtenberger, Christian Schlechter | Foto: Bettina Frenzel

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