So. Apr 21st, 2024
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Rosi, Toni, Tatzelwurm

von Ernst Molden │Lilarum │4+ │Lisa Müller

Tief im Wald lebt der Tatzelwurm in einer Höhle. Seine Leibspeise? Schwammerl-Gulasch versteht sich. Menschen frisst er schon längst nicht mehr – die erschrecken sich auch immer so furchtbar. Obwohl, gelegentlich so ein Wilderer-Ohrwascherl…

Das liebevoll gestaltete Bühnenbild des Figurenspiels führt die Zuschauer tief in den Wald, hinein in die verborgene Höhle des Tatzelwurms. Tonis Mama, die Bürgermeisterin, will aber unbedingt ebendort ein Höhlencafé bauen. Immerhin braucht die Stadt Geld und was könnte dieses Problem besser beheben, als ein Strom von Touristen? Rosis Papa, der Förster, hat dazu eine ganz klare Meinung: Im Wald wird nichts gebaut. Auch nach der mitreißenden Gesangseinlage der Bürgermeister bleibt er dabei. Nein, im Wald wird nichts gebaut! Die beiden Kinder Rosi und Toni haben indes ganz andere Flausen im Kopf, sie wollen die sagenumwobene Tatzelwurmhöhle erkunden. Dabei sind sie fest davon überzeugt, dass die Sache mit dem schaurigem Tatzelwurm bloß erfunden ist. Als sie in die Tiefen vordringen, treffen sie zu ihrem Schreck tatsächlich auf das Ungeheuer! Die Furcht lässt aber schnell nach, als sich Tatzel als gemütlicher und freundlicher Geselle erweist, der am liebsten im Wald Schwammerl sucht. Meistens leistet ihm eine sehr liebenswürdige Schleiereule Gesellschaft. Besonders begeistert ist Tatzel von der Idee mit dem Café in seiner Höhle allerdings nicht. Als Tonis Mama ihren abgängigen Sohn sucht, purzelt sie durch eine Felsspalte direkt in den Schoß des Tatzelwurms. Der ist zwar außerordentlich erfreut über den schönen Besuch, stellt aber schnell klar: In seine Höhle kommt sicher kein Kaffeehaus. Die Frage ist nur woher dann das Geld für die Stadt kommen soll. Aber dieses Problem ist schnell mit einer Schatzkiste aus dem Tatzelwurm-Fundus behoben.

Ernst Moldens simple, warmherzige Geschichte besticht mit liebenswürdigem Wiener Dialekt und Schmäh. Auch der Tatzelwurm erobert die Herzen der Zuschauer mit seiner freundlichen, tiefen Stimme und den großen Kulleraugen sofort. Trotz der Kernaussage des Stücks, nämlich dass ein Kaffeehaus ganz einfach nicht in den Wald gehört, strebt die simple Handlung auf eine Lösung für alle Beteiligten zu. Eine typische Gut-Böse Dichotomie wird somit zum Glück vermieden. Das Bühnenbild arbeitet gut mit dem Einsatz von Perspektive und Tiefe, sodass sich die drollig gestalteten Figuren sehr natürlich darin bewegen können. Die wenigen, aber gezielt verwendeten Gesangseinlagen sorgen für genügend Schmiss und treiben die Handlung schwungvoll voran. Ein großer Applaus gilt Eva D., Michou Friesz, Christoph Kail, Markus Kofler, Ingrid Lang und Ernst Molden, die den Figuren ihre Stimmen leihen und gemeinsam mit den Figurendarsteller:innen auf so charmante Art und Weise Leben einhauchen.  

Rosi, Toni, Tatzelwurm ist ein liebevoll und humorvoll gestaltetes Stück, das zum Schmunzeln und erneutem Anschauen einlädt!

Ein Figurenspiel von Ernst Molden │Regie: Karin Koller; Puppen: Traude Kossatz │Bühne & Wiederaufnahme: Andrea Gergely │Musik: Ernst Molden │MusikerInnen: Marlene Lacherstorfer, Ernst Molden, Walther Soyka │Stimmen: Eva D., Michou Friesz, Christoph Kail, Markus Kofler, Ingrid Lang, Ernst Molden │Figurenspiel: Paula Belická, Silence Conrad, Carlos Delgado-Betancourt, Jo Demian Proksch, Evgenia Stavropoulou-Traska │Licht: Rasha Ahmad

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