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Katt und Fredda Copyright Nanna Neudeck und Lena Sudmann (8)

„Zu Besuch bei Katt und Fredda“ ///

Zweisam, Einsam, Dreisam?  Über die Ernsthaftigkeit des Beziehungsspiels. „Zu Besuch bei Katt und Fredda” – eine Inszenierung der Gruppe makemake Produktionen. ///  Tomáš Mikeska ///

Ein Streifen Kunstrasen. Ein Gemüsebeet. Ein puristisch eingerichteter Wohnraum. Alles Ein wird geteilt. Maximal durch zwei. Denn hier leben Katt und Fredda. Zwei in einem gemeinsamen Alltag, einer Routine. Zwei Löffel baumeln über dem Essbereich, zwei Teller werden genutzt, das Beet gepflegt, zwei frische Eier aus der Erde ausgegraben und gemeinsam Schlafen gelegt. Für mehr gibt es wenig Zeit, für Neues keinen Raum und für einen Dritten keinen Platz.

Doch was, wenn das nicht mehr reicht? Wenn von Veränderung geträumt und ein Besuch herbei gesehnt wird? Und was, wenn die Träume des Einen dem Anderen weh tun? „Zu Besuch bei Katt und Fredda“ beschäftigt sich mit ernsthaften Beziehungsfragen und geht dabei aufs Ganze. Es geht um Gewohntes, Neues, den Alltag und die Sehnsucht aus diesem auszubrechen. Es geht um Katt und Fredda, ihren Besuch Miranda und eine Verirrung der Gefühle: Katt wünscht sich eine Veränderung, Fredda nicht. Miranda bringt die Abwechslung. Katt bereut es, Fredda nicht.

Ein heiteres Spiel mit Tanz und einem ernsten Unterton, der Kindern oft im Theater nicht zugemutet wird. Vor allem sind es die mutigen Wortwechsel aus der Feder von Ingeborg von Zadow, die die Ernsthaftigkeit des Themas, hier im Dschungel Wien, verspielt auf den Punkt bringen. Es sind auch die choreografierten Bewegungsabläufe der beiden Darsteller (Michèle Rohrbach & Michael Pöllmann) die Spaß machen: Wenn sie ihr Gemüsebeet pflegen, Eier in eine heiße Pfanne werfen oder sich im Schlaf körperlich verknoten. Mit Miranda (Tänzer Arttu Palmio) bekommt das Spiel noch mehr Dynamik und Abwechslung. Die Bewegungen werden tänzerischer, wirken leichter, werden nachgeahmt, größer gezeichnet und arten letztendlich in einem Chaos aus. Ein Körperspiel, das die Gefühle der Protagonisten wunderbar wiedergibt. Nur manchmal ist eine Überforderung des Zielpublikums merkbar, vor allem dann wenn das Trio sich körperlich nahe kommt und die Gesten eine verwirrende Mehrdeutigkeit erlauben. Doch auch das ist reizvoll, vor allem da das Altgewohnte hier dem verführerisch Neuen begegnet und auch bei Katt und Fredda für mehr sorgt, als erwartet oder erhofft. Wie also Fredda schon sagt: „Glaub mir Katt: es ist gut so.“

Text: Ingeborg von Zadow; Konzept, Spielleitung: Sara Ostertag; Regieassisenz: Brigitte Moscon; Theaterpädagogik, Dramaturgie: Frederike Dengler; Produktionsleitung: Julia Wiggers; Musikalische Leitung, Komposition: Simon Dietersdorfer, Martin Hemmer; Choreografische Mitarbeit: Martina Rösler; Bühne, Kostüm: Nanna Neudeck; Ausstattungshospitanz: Lena Sudmann; DarstellerInnen: Arttu Palmio, Michèle Rohrbach, Michael Pöllmann