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© Lupi Spuma

Radio Freedom /// ANSICHT, Next Liberty (Graz) und IYASA (Simbabwe) /// Dschungel Wien /// 10+ /// Timon Mikocki

Ein Tanz- und Singstück über die afrikanische Freiheitsbewegung. Anti-Apartheitsbewegung. Nelson Mandela. Die Kraft der Musik. Widerstand. Viele Stränge gilt es hier zu vereinen. Multimedial hat man das eindrucksvoll gelöst. Geglückt sind die Übergänge und Übernahmen zwischen den medialen Ebenen Projektion, Gesang, Tanz und Live-Radio. Es finden sich erfrischende Verschränkungen; zum Beispiel die „Werbeunterbrechungen“, die im Gewand des „Ads“ stereotype Nationalidentitäten gegenüberstellen. Getragen wird das Stück vom Gesang und der Live-Musik, der großen Stärke des afrikanischen Kollektivs. Für sich alleine stehend wäre die Kraft dieser oft tragischen Musik schon relevant genug für die Aufführung. Der „spirit of togetherness“ atmet hier stark, sobald man versteht, worum es eigentlich geht. Tänzerisch kommen noch einfallsreiche Choreografien dazu, die den Kampf auch in kollektive Theater-Bilder fassen können. Nur die Charaktere bleiben blass. Sie sind ja auch Medien und dienen der Übermittlung historischer Begebenheiten im Gewand cooler neuer Stilistik.

Über Clandestine-Radios lassen sich eigene Monografien erstellen. Nicht verwunderlich, dass der Zielgruppe ob des Umfangs nur oberflächlich politisch eingeheizt wird. Der charakteristische Jingle des ANC-Radios wurde entschärft. Eigentlich geht es in der Handlung darum, den Superhit zu finden, der alle aufrütteln kann; die Dramaturgie folgt also dem Countdown der Charts; eine gute Entscheidung. Im Endeffekt ist das Thema zielgerecht gehandhabt worden, abseits der energetisierenden Wirkung der Lieder bleibt aber leider dennoch wenig haften, zu schulmeisterlich kommt das Ganze im Kontext der zeitgenössischen Theaterarbeit des Dschungels rüber.

Eigentlich ist das ein Musical. Ohne die beiden Geschichtszeitpunkte vergleichen zu wollen: Wo bleibt angesichts der politischen Situation in Österreich ein Untergrundsender?

Text, Inszenierung: Flo Staffelmayr; Choreografie: Christina Rauchbauer; Ton, Sounddesign: Julia Meinx; Musikalische Einstudierung ; Arrangement: Innocent Nkululeko Dube; Projektionen, Bühne: Jakob Hütter (Hand mit Auge); Kostüm: Devi Saha; Produktion: Raffaela Gras, Agnes Zenker; DarstellerInnen: Thembinkosi Dube, Alice Gurure, Lameck Keswa, Cheryl Mabaya, Nkanyezi Ndlovu, Mbongeni Nxumalo, Sithembeni Buhlenkosi Sibanda, Sibonisiwe Sithole