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“6” (schallundrauch agency) – Dschungel Wien ///

6  – Alles regt und bewegt sich: Geschichten aus dem Nähkästchen /// Tomáš Mikeska ///

„…Ich bin nicht lesbisch, vielleicht aber Bi, da bin ich grad dabei es herauszufinden…“

Geständnisse. Intimität. Geheimnisse. Wünsche. All das aber vor allem eines – Sex. Ein Thema, so anregend, aufregend und erregend. Für das Zielpublikum sogar das Hauptthema.

Mit wenig Klischees tastet sich die Gruppe “schallundrauch agency“ an das allgegenwärtige Thema heran. Ein indirekter Dialog mit dem Publikum dient dabei anfangs zur Aufhebung der Distanz sowie der Scheu und das gelingt wunderbar. Das Gefühl, die Schamesröte hinter verlegenem Gekicher verstecken zu müssen, verfliegt bereits bei dem vorgespielten Massenorgasmus der 5 Darsteller_innen, mit direktem Augenkontakt zum Publikum. Es kommt auch nicht auf, als eine Protagonistin von ihrer ersten lesbischen Erfahrung erzählt, und auch nicht, wenn sich einer der beiden männlichen Darsteller das anliegende Kleid überzieht, welches er für seine zukünftige Traumfrau genäht haben will. Nein, keine Fremdscham, kein peinlicher Moment entstehen, dafür werden andere Emotionen geweckt. Mitgefühl. Verständnis. Mitleid. Freude. Alles regt sich hier. Auf der Bühne und im Zuschauerraum. 

Das “Tanz- und Performancestück mit Höhepunkt” überzeugt mit komödiantischen Aspekten, spontan klingendem Wortwitz, melancholischen Geständnissen, provokanten Liedern, kreativem Symbolismus und vor allem mit der Natürlichkeit der durchaus charismatischen DarstellerInnen. Eine Harmonie zwischen dem kindlichen „Küss den Frosch – Glauben“, den Phantasien von ungehemmten Sexorgien im Himmel und der eigenen Hoffnungslosigkeit jemals den/die Richtige/n zu finden erfüllt den Raum. Alleine das Bühnenbild ist nicht ganz stimmig. So erlauben die ausgeleerten Schubladen und mit durchsichtigem Stoff bespannten Keilrahmen auf der Bühne zwar Interpretationsmöglichkeiten, wirken jedoch zu unsicher und harmonisieren so keinesfalls mit dem souveränen und intimen Spiel auf der Bühne.

Ob lesbisch, schwul oder bi, Frau oder Mann, jung oder alt, ein Stück wahrer Freuden, das nicht unberührt lässt und einem die Vielfalt an sexuellem Empfinden näher bringt. Jedenfalls mehr als befriedigend.

weitere Kritiken: Die schönste Sache der Welt /// Reinhard Strobl

Premiere 6.6.2011 – Dschungel Wienschallundrauch agency

Künstlerische Leitung: Gabriele Wappel, Janina Sollmann; Bühne: Michael Haller; Technische Leitung und Lichtdesign: Silvia Auer; Coach: Frans Poelstra; Sexualtherapeutische Begleitung: Sandra Gathmann, Carina Kober; Presse und Produktion: Katharina Semlitsch; Stückentwicklung und Performance: Michael Haller, Verena Pruka, Janina Sollmann, Gabriele Wappel, Thomas Weilharter; Stückentwicklung: Oneka von Schrader, Kajetan Uranitsch