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Die Sache mit Ich /// Theater foXXfire! /// Dschungel Wien /// 14+ /// Clara Gallistl ///

Valerie verliebt sich zum ersten Mal und dann gleich in einen jungen Mann, der unter dissoziativer Identitätsstörung leidet. Richard Schmetterer und Benedict Thill erzählen diese komplexe Steilvorlage als gruselige suspense-Story, die unter einer vor Emotionen triefenden Decke aus jugendlich gedachtem Deutschpop untergeht, und am Ende alle Fragen offen lässt. Wer hat hier was erzählt? Was ist echt, was „nur“ Einbildung? Zurück bleibt Verwirrung, die sich auch im anschließenden Publikumsgespräch nicht löst.

Wovon erzählt „Die Sache mit Ich“? Valeries Objekt der Liebe, Alex, ist ein schüchterner Typ. Sascha, seine mutigere, weibliche, zweite Identität, verliebt sich wie Alex in Valerie. Ein eigentlich sehr schönes Liebesdreieck entsteht, an dem das Thema gut abgehandelt hätte werden können. Bis Alex‘ dritte Identiät, X, auftaucht und Valerie fast umbringt. Ab Stückmitte entsteht zunehmend der Eindruck, Menschen mit psychischen Herausforderungen seien vor allem eines: gefährlich. Dazu trägt vor allem Benedikt Häfners aggressiv-exaltiertes Spiel bei, das wiederholt sexualisierte Gewalt darstellt und eher an die Figur des Joker erinnert, als an einer differenzierten Auseinandersetzung mit multiplen Persönlichkeiten orientiert zu sein.

Den Schauspieler_innen möchte man wenig Vorwurf machen, sind sie doch zwischen ihren Rollen als Musiker_innen, Tänzer_innen und Charakterdarsteller_innen so eingespannt, dass es schwer möglich scheint, sich den Freiraum zu erspielen, den die sensible Komplexität ihrer Rollen benötigen würde.

Ebenso wie die Rahmenhandlung lässt foXXfire! auch den Tathergang offen. Blutspuren zeigen einen Tatort, der nur eingebildet ist? Informierte Nachbesprechung dringend empfohlen.

Dschungel Wien. Premiere: 11. Oktober 2018.

Autor: Benedict Thill; Regie: Richard Schmetterer; Musikalische Leitung: Moritz Gaber; Ausstattung: Lena Scheerer; Dramaturgie: Jana Püscher; Kampfchoreografie: Till Frühwald; Musik/DarstellerInnen: Daniel Feik, Benedikt Häfner, Moritz Gaber, Clara Montocchio, Silvana Veit